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Der erste Shitstorm der Tourismusbranche?

Shitstorm bedeutet eine Art Empörungswelle im Internet, bei dem zumeist aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend gegen Konzerne oder Einzelpersonen vorgegangen wird. Einen solchen Shitstorm hatte die Tourismusbranche noch nicht erlebt. Doch was vorletzte Woche auf dem fvw Blog geschah, grenzte an dieses neuartige Phänomen.

Zunächst sah es so aus, als ob fvw-Chefredakteur Klaus Hildebrandt den ganzen Frust der Reisebüros abgekommen würde. In dem Blogpost „Die LinnhoffShow“ bezieht Herr Hildebrandt erfreulicherweise klare Position zu der Öffentlichkeitsarbeit der stellvertretenden Vorsitzenden der IG Reisebüro, Frau Mirja Linnhoff. Doch die Rechtsanwältin Siebert meint, seine „journalistische Sorgfaltspflicht hätte hier eine präzisere Recherche“ gefordert. Lutz Peter Abel fordert den Chefredakteur im barschen Ton auf, Thomas Cook mehr Fragen zu stellen. Ein gewisser Lukas B. zielt ebenfalls in Richtung Chefredakteur. Er meint, dass die fvw die Fragen Thomas Cook nicht stellen kann, weil das schlechtes Beziehungsmanagemant zu dem zweitgrößten Tourismuskonzern sei. Doch der Hauptverantwortliche der größten touristischen Fachzeitschrift weiß mit Kritik umzugehen. Wohldosierte Antworten reduzieren die Aggressivität der meisten Schreibenden.

Einige Posts später geht es schon mehr um den allgemeinen Branchenschaden. Konstantin Herber vom Reisebüro Stukenbrock bringt es schließlich ganz gut auf den Punkt: „Was hier abläuft, ist doch wieder der gesammelte Zorn und Frust über die ganzen Unsäglichkeiten„, die über die Reisebüros ausgeschüttet wurden. Danach verliert sich der Ärger in gegenseitigen Vorwürfen und der Shitstorm seine Wirkung.

Was danach kam, war einfach traurig. Nach der zuletzt zitierten Meldung von Herrn Herber kam inhaltlich nur noch sehr wenig Neues hinzu. Ist eine Thematik ausreichend diskutiert, so kann die Diskussion auf einem Blog einer Fachzeitschrift und auch anderswo gerne geschlossen werden. Das ist besonders dann gerechtfertigt, wenn die Diskussion nichts mehr mit dem Ausgangsthema zu tun hat. Um es im Jargon der Diskutierer zu schreiben: Inhaltslose Schlammschlachten gehören meines Erachtens eher auf Facebook oder anderswo hin. Ein paar Auszüge der späteren Kommentare gefällig?

Der Blog solle nicht mit einem „Stuhlkreis einer therapeutischen Anstalt“ verwechselt werden. Ein anderer wirft wieder jemand anderem „unqualifizierte Bemerkungen“ vor. Doch eigentlich sind viele Leser, vielleicht auch durch die eingehenden E-Mails genervt (jeder Kommentar = eine E-Mail). Zitat: „…dass eine handvoll Leute SOVIEL UNSINN in SO KURZER ZEIT anrichten kann, hätte ich gar nicht für möglich gehalten….“ Doch das Wort verbieten lassen, wolle man sich auch nicht: Der Blog sei „keine JVA (Jugendvollzugsanstallt, Anmerk.), wo der Hofgang jetzt zu Ende ist“.

Linktipps:
Wer bisher einen Shitstorm abbekam und welche Folgen sie hatten:
Starbucks Irland-Story
Die größten Shitstorms des Jahres 2011