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Wieviel Wachstum brauchen die “Miniveranstalter”?

Mögen Sie Ihr Produkt? Identifizieren Sie sich mit Ihrem Unternehmen? Sind Sie davon überzeugt, dass persönlicher Kontakt und die Zufriedenheit der Kunden absolute Priorität haben? – Wir auch. Und mit uns zirka 1550 kleine Mittelständler und Kleinveranstalter (laut Strukturanalyse deutscher Reiseveranstaltermarkt 2018 Jade-Hochschule Wilhelmshaven).

Laut fvw-Bericht über die Studie von Prof. Torsten Kirstges (in der aktuellen Ausgabe vom 14.9.2018) mit dem Titel “Die Kleinen kommen unter die Räder”, kommt uns einiges zu kurz, was sich die “Miniveranstalter” auf die Fahnen geschrieben haben. Im Vordergrund der Berichterstattung stehen die “Defizite in der Kalkulation”, niedrige Renditen, geringes Wachstum, zu wenig Eigenkapital. Bei letzterem nennt Kirstges einen Richtwert von 25% der Bilanzsumme.

Mal unter uns: Sind das die Gründe, warum Sie sich als Reiseveranstalter selbstständig gemacht haben? Laut der Studie von Prof. Torsten Kirtges obliegt die Eigenkapitalrendite der Miniveranstalter bei ca. 22%. Im Vergleich: TUI AG seit Jahren unter 20 %, in 2017 20,26 % (https://www.finanzen.net/bilanz_guv/TUI), Thomas Cook Stand 2017 4,25 % (https://www.finanzen.net/bilanz_guv/Thomas_Cook). Auch bei der Umsatzrendite schneiden die Miniveranstalter mit 3% gut ab. Bei der TUI lag die Umsatzrendite 2017 bei 3,8% bei Thomas Cook im Jahr 2017 sogar nur bei 0,14%. “Eine Umsatzrendite von 3% muss schon drin sein, sonst lohnt es sich nicht”, meint Kirstges. Also stehen die Miniveranstalter im Mittel doch gar ganz gut da.

Wachstum bei den Miniveranstaltern auch ohne Reisebüros

Die Wachstumsrate vieler Nischenanbieter ist seit Jahren mehrstellig positiv. Das zeigt zum Beispiel die Umsatzentwicklung der Mitglieder des forum anders reisen (https://forumandersreisen.de/fileadmin/user_upload/Wirtschaftsdaten_2017_eine_Seite.pdf), aber auch Gmbh Veröffentlichungen anderer Veranstalter. Die Zahlen zeigen: Direktvertrieb kann einen auskömmlichen Weg darstellen. Die Kundenzufriedenheit und -bindung ist für die Miniveranstalter und dem Geschäftswohl entscheidend. Es gibt ja keine Verpflichtung, den Reisebüro-Vertrieb zu nutzen. Der Reisebüro-Vertrieb lohnt sich erst ab einer gewissen Unternehmensgröße.

Kleine Veranstalter – große Zufriedenheit

Besser wäre es, eine Artikel über die Nachwuchsförderung zu schreiben, der das Problem des Fachkräftemangels stärker beleuchtet. Denn, das Miniveranstalter keine Nachfolger finden, hat nicht primär mit der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen zu tun, wie die oben dargelegt Argumente beweisen. Vielmehr ist die offene Nachfolgefrage eher ein Fachkräftmangel. Und dort sollte die touristische Fachpresse ansetzen und weitere Wege aufzeigen, wie die Branche sich besser entwickeln kann, anstelle „Miniveranstalter-Bashing“ zu betreiben.

Wie können die „Miniveranstalter“ im besten Fall einen Übergang in die nächste Generation umsetzen? Anregungen willkommen, Herr Hildebrandt.